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Flüsse in Antalya

Die hohen Berggipfel hinter der Bucht von Antalya, die mit Beginn des Herbstes unter einer Schneedecke verschwinden, sind die „Schöpfer“ der Flüsse. Schneefall bewirkt, dass Wasser an der Oberfläche gespeichert wird. Während Niederschlag in Form von Regen innerhalb einiger Stunden, höchstens aber innerhalb weniger Tage, ungenutzt verrinnt, wird Wasser als Schnee in den Bergen zurückgehalten und fließt mit ansteigender Temperatur in die Täler, durch Senken und Ebenen, um schließlich ins Meer zu münden. Die Flüsse sind folglich aus dem Schnee geboren, der mit seinem allmählichen Abfluss Wirtschaft und Leben bestimmt.

Anders als die flussreiche Landschaft im Osten der Bucht, lassen sich die Flüsse an der Westküste der Bucht an einer Hand abzählen. Verantwortlich dafür ist die unterschiedliche geologische Beschaffenheit der beiden Küstenabschnitte.

Der Dim Çayı ist der größte Fluss in diesem wasserreichen östlichen Abschnitt der Bucht. Vor einigen Jahren wurde er zu einem See aufgestaut. Die Ufer östlich und westlich des Sees ragen wie Steilwände auf und sind mit Wäldern und Obstbäumen bewachsen. Hier liegen auch einige Dörfer. Zu beiden Seiten der Staumauer gibt es inzwischen viele Lokale, Badestrände und Ruheplätze zum Entspannen, die bei den Einheimischen schlicht „Picknick“ heißen. Wer eine Abwechslung vom einförmigen Strandgeschehen sucht, kommt hierher. Auch am Oba Çayı, westlich des Dim Çayıs, gibt es viele solcher Plätze.

Der Kargı Çayı entspringt in den Bergen westlich von Alanya, fließt Richtung Nordwesten und erreicht westlich des Türkler-Dorfes das Meer. Es ist beeindruckend, wie abenteuerlich dieser Fluss sich seinen Weg von der Quelle bis zur Ebene durch die Gebirgslandschaft bahnt.

In der Nähe des Dorfes Kayabükü im Kreis Gündoğmuş entspringt der Fluss Alara. Bevor er westlich des Dorfes Okurcalar das Mittelmeer erreicht, gräbt er sich auf seinem Weg nach Südwesten tief in die einzigartige Gebirgslandschaft des Taurus ein, überwindet Abgründe und fließt durch tiefe Schluchten unter mittelalterlichen Brücken hindurch, die heute noch von Mensch und Tier beim Zug auf die Weiden benutzt werden.

Der Karpuz Çayı entspringt südlich der Kreisstadt Akseki, fließt durch den steilen Ahmetler-Canyon und mündet westlich des Dorfes Kızılot, im Landkreis Manavgat, ins Meer. Der Canyon beginnt in Murtiçi, einem Ort an der Verbindungsstraße zwischen Antalya und Konya. Im Laufe der Zeit hinterließ der Karpuz Çay, der sich extrem tief eins Gestein grub, seine Spuren auch in Form von Wasserbecken. Sie werden Hexenkessel genannt und versetzen den Besucher in eine fast übernatürliche Welt.

 

Manavgat

Die großen Flüsse dieser Region, wie der Manavgat Irmağı, der Köprüçay Irmağı und der Aksu Çayı, werden alle von den hohen, reichlich mit Schnee bedeckten Gipfeln des Westtaurus gespeist.

Der Manavgat Irmağı, der antike Melas, ist einer der wasserreichsten Flüsse an der Ostseite der Bucht von Antalya. Im Landkreis Manavgat teilt er sich in zwei Flussarme, bevor er einige Kilometer östlich von Side ins Mittelmeer mündet. Am Manavgat wurde ein Staudamm zur Energiegewinnung errichtet. Der spektakuläre Blick auf den dadurch entstandenen Oymapınar-Stausee lockt viele Touristen von der Küste hierher.

Der Köprüçay (Eurymedon) entspringt am Anamas Dağı, westlich des Eğri-Sees, wo die Dörfer von Serik ihre Sommerweiden haben. Er fließt durch schwindelerregende Schluchten, dann unter der antiken Brücke vor der Zindan-Höhle hindurch, stürzt im Osten der antiken Stadt Selge tiefe Talstufen hinab, erreicht die Ebene von Pamphylien und mündet schließlich unweit von Aspendos ins Meer.

In der Antike wurden Flüsse wie Götter verehrt, denen man zum Beispiel auch Standbilder errichtete. So auch beim Eurymedon. An der Zindan-Brücke, einer aus römischer Zeit stammenden Bogenbrücke, befinden sich auf dem Schlussstein an der Westseite die Überreste eines Reliefs, das den Eurymedon als Gottheit darstellt. Hinter der Oluk-Brücke, dort wo der Köprüçay die Ebene durchfließt, sind zahlreiche Freizeitgebiete entstanden, und es wird immer mehr Rafting-Sport mit immer besserem Service angeboten, so dass die Region zunehmend von naturbegeisterten Touristen aufgesucht wird. Das Dorf Beşkonak in der Nähe der antiken Oluk-Brücke ist der bekannteste Platz für Rafting in der Türkei. Hier beginnen die Rafting-Fahrten, und wenn die Insassen der Schlauchboote nach ein oder zwei Stunden Nervenkitzel wieder an Land gehen, liest man ihnen ihre Begeisterung noch im Gesicht ab.

 

Rafting

Der Aksu ist einer der Flüsse, die aus dem Eğirdir-See oder dem Kovada-See auf der nördlichen Seenplatte entspringen. Der antike Kestros fließt östlich an der Stadt Perge vorbei, wo er als Gottheit verehrt wurde. In der Bibel heißt es, dass der Apostel Paulus und seine Freunde auf ihrem Weg von Zypern nach Antiocheia in Pisidien (Yalvaç) mit dem Schiff in Perge anlandeten. Daraus geht hervor, dass Perge, trotz seiner Lage im Binnenland dank des Flusses Aksu als Hafenstadt fungierte. Auch heißt das nach Osten hin gelegene Stadttor Hafentor, was die Aussage in der Bibel bekräftigt.

Abschließend sei noch ein letzter erwähnenswerter Fluss an der Ostküste der Bucht genannt, der Düden Çayı. Er beginnt seinen Weg am wunderschönen Kırkgöz-See im Norden Antalyas, verschwindet nach kurzer Zeit unter der Erde und tritt etwas weiter südlich bei Varsak wieder an die Oberfläche. Dann fließt er bald erneut unterirdisch und kommt nach kurzer Strecke als Düden-Wasserfall wieder hervor, der wohl von keiner Reisegruppe ausgelassen wird. Dort stürzt er über die vierzig Meter hohe Steilküste ins Meer, nachdem er überall wo er vorbeizog, erfrischende Kühle gespendet, und unvergleichliche Anblicke geboten hat. An der Stelle, wo der Düden Çayı ins Meer stürzt, wurden Parks und Aussichtsterrassen angelegt. Hier kann der Besucher zu jeder Tageszeit dieses unvergleichliche Naturschauspiel hautnah erleben.

Im Gegensatz zum flussreichen Pamphylien an der Ostküste der Bucht, ist die als Lykien bekannte Westküste geradezu arm an Flüssen. Trotz ausreichender Niederschläge in den Bergen, versickert das Wasser jedoch in den durchlässigen Gesteinsschichten und fließt nicht in Form von Flüssen an der Oberfläche ab.

 

Düden

Eine der wenigen Ausnahmen bildet der Alakır Çayı in Kumluca, an der Grenze zu Finike. Über den Alakır Çayı, der aus den Susuz-Bergen kommt, führt die längste römische Brücke Anatoliens, von der ein großer Teil noch erhalten ist.

Weitere nennenswerte Flüsse sind hier der Tatlıçay und der westlich davon gelegene Acıçay. Der Tatlıçay besitzt zwei Quellflüsse, die beide in der antiken Stadt Limyra, am Fuße des Tocak Dağı, im Westen der Bucht von Finike entspringen - der eine aus einem lykischen Grab, der andere aus den Ruinen einer Kapelle. Nach nur kurzem Lauf mündet der Tatlıçay ins Meer. Es ist ein wunderbarer, erhebender Anblick, wie der Tatlıçay auf seinem Weg von den Quellen durch die antiken Ruinen Limyras bis ans Meer, Fruchtbarkeit spendet.

Der wesentliche Ursprung beider Flüsse aber ist das Wasserreservoir des Avlan-Sees in der von hohen Bergen umgebenen Elmalı-Ebene. Die unterirdischen Abflüsse dieses Sees, mit seinem unvergleichlichen Panorama, speisen auch den Akçay, der am Akdağ entspringt, und den tiefer gelegenen Aykırtça/Aykırçay (Arykandos). Auf seinem Weg ins Tal fließt der Arykandos unter der der antiken Stadt Arykanda hindurch, schlängelt sich an den urtümlichen Dörfern der Region vorbei oder durch sie hindurch und erreicht schließlich die Ebene. Es versetzt in- und ausländische Besucher in Erstaunen, zu sehen, wie sich dieses kleine Gewässer in den Fels gegraben hat.

Der Eşen Çay, der wichtigste Fluss im äußersten Westen der Region, besteht aus zwei Flussarmen. Der größere ist der am Saklıkent-Canyon entspringende Karaçay, der am westlichen Fuße des Akdağ, am Westzipfel der Elmalı-Ebene die Grenze zwischen Kaş/Antalya und Fethiye/Muğla bildet. Saklıkent-Canyon ist die Quelle des Karaçay und fließt 18 Kilometer bis zum Meer. Die Wände des Canyons reichen bis zu 100 Meter Höhe. Viele Urlauber von Fethiye, Kaş und Kalkan geniessen den Karaçay Fluss während Raftingstunden.